Klar ist: Ein Motorradhelm, aber auch andere Schutzkleidung, wie Lederhose, Motorradjacke, Rückenprotektor, Hand­schuhe und geeignete Motorradstiefel mit ausreichendem Knöchelschutz, halten nicht nur warm, sondern schützen auch vor Verletzungen. Gemäß § 21 a Abs. 2 STVO muss jeder, der Krafträder oder offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahr­zeuge mit einer bauartbedingten Höchst­geschwindigkeit von über 20 km/h führt sowie auf oder in ihnen mitfährt, während der Fahrt einen geeigneten Schutzhelm tragen. Eine weitere Pflicht zum Tragen von Schutzkleidung gibt es nicht.

Dem Motorradfahrer steht es – außerhalb der Motorradführerscheinprüfung für die Klassen A, A1, A2 oder AM – grundsätzlich frei, neben dem Helm weitere Schutzkleidung zu tragen. Nur bei Verstoß gegen die Helmpflicht ist ein Bußgeld zu befürchten. Zwar gibt es keine gesetzliche Pflicht zum Tragen von Schutz­kleidung. Dennoch kann dem Fahrer ein Mit­verschulden angerechnet werden, wenn er bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall verletzt wird. Nach der Rechtsprechung ist ein Mitverschulden bereits dann anzunehmen, wenn er diejenige Sorgfalt außer Acht lässt, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwen­den pflegt (vgl. hierzu BGH, NJW 1979, 980).

Ob ein Verschulden gegen sich selbst vorliegt, hängt von den konkreten Umständen und Gefahren im Verkehr sowie von der Frage ab, was den Verkehrsteilnehmern zuzumuten ist, um diese Gefahren gering zu halten.

Schutzbekleidung soll den Motorradfahrer vor den negativen Folgen eines Sturzes schützen bzw. diese mindern. Aufgrund der Instabilität des Fahrzeugs ist der Motorrad­fahrer nicht nur bei Rennveranstaltungen, sondern auch im normalen Straßenverkehr besonders gefährdet. Ein ordentlicher und verständiger Mensch trägt daher Schutzklei­dung. Und er weiß, dass ein Verzicht darauf ein erheblich höheres Verletzungsrisiko im Falle eines Unfalls bedeutet. Nach der Recht­sprechung ist daher bei der Bemessung des Schmerzensgeldes ein Verschulden gegensich selbst schmerzensgeldmindernd zu be­rücksichtigen (vgl. hierzu OLG Düsseldorf NZV 2006,415 f, OLG Brandenburg, Urteil vom 23.07.2009 – 12 U 29/09, LG Köln, Urteil vom 15.05.2013 – 18 0 148/08, OLG Nürnberg, Be­schluss vom 09.04.2013 – 3 U 1897/12). Jedoch handelt es sich bei den genannten Urteilen immer auch um Einzelfallentscheidungen.

Es kommt also auf den konkreten Sachverhalt an. Das LG Heidelberg und das OLG Nürnberg haben z.B. ein Mitverschulden bei Leichtkraft­rädern im innerörtlichen Bereich oder bei dem Tragen von Sportschuhen verneint. Wer also sein Verletzungsrisiko mindern und auch kein Verschulden gegen sich selbst angelastet bekommen möchte, sollte auf Schutzkleidung nicht verzichten.

(Ebenfalls veröffentlicht im BAVC-Info, Ausgabe 1/2017)