Nach dem langen Sommer hat der Winter doch noch Einzug gefunden. Aus diesem Grund kommen zahlreiche Nachfragen, wie mit der Bereifung des Fahrzeuges in der kalten Jahreszeit umgegangen werden soll. Nachfolgend möchten wir Ihnen zum Thema Bereifung in der kalten Jahreszeit einen kleinen Überblick verschaffen.

Wann muss man Winterreifen aufziehen?

Viele gehen dem Irrglauben nach, dass bestimmte Zeiträume zur Winterbereifung verpflichten. So halten sich viele an die Regelung von O bis O (Oktober bis Ostern). Eine gesetzliche Grundlage für diesen Zeitraum gibt es nicht.

Nach § 2 Abs. 3a Satz 1 StVO darf ein Kraftfahrzeug bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur gefahren werden, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die unbeschadet der allgemeinen Anforderungen an die Bereifung den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung genügen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Bereifung nach den Wetter- und Witterungsumständen zu erfolgen hat. So kann bei früher eintretenden Kälteperioden eine frühere Winterbereifung und bei später eintretenden Kälteperioden eine entsprechende spätere Winterbereifung erfolgen. Als Faustformel hat sich in der Vergangenheit bewehrt, ab einer zu erwartenden Durchschnittstemperatur von 7°C eine Winterbereifung zu wählen.

Was ist bei Winterreifen zu beachten?

Winterreifen sollten mit Bedacht aufgezogen werden. Das Alter des Reifens ist zu beachten, auch wenn hierfür keine rechtliche Grundlage besteht. Rechtlich besteht kein Ablaufdatum für Winterreifen. Nur eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Faustformel 4x3x6, also vier gleiche Reifen, nicht weniger als drei Millimeter Profil und nicht länger als sechs Jahre in Gebrauch ist ein guter Maßstab für die Wahl der Reifen. In verschiedenen Tests wurde festgestellt, dass der Reifen mit zunehmendem Alter an „Alterserscheinungen“ leidet. So ist bei älteren Reifen eine geringere Profilgriffigkeit und höhere Porosität festgestellt worden. Dies kann im Ernstfall über den Ausgang des Unfalls erheblich entscheiden.

Sind Allwetterreifen ausreichend?

Allwetterreifen, die meist mit M + S (Matsch und Schnee) gekennzeichnet sind, können das ganze Jahr verwendet werden, wenn sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen (Profilstärke etc.). In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass die M+S-Reifen oftmals nicht die gleiche Sicherheit wie Winterreifen mitbringen.

Achtung! Aus diesem Grund erfolgten rechtliche Neuerungen. Winter- und Ganzjahresreifen die ab dem 01.01.2018 neuproduziert wurden, müssen zwingend mit dem Schneeflockensymbol versehen sein. Die mit M+S-Kennzeichnung versehenen Reifen, die bis zum 31.12.2017 produziert wurden, dürfen noch bis 2024 gefahren werden.

Warum ist neben der Gefahrenvermeidung die richtige Bereifung wichtig?

Neben der Tatsache, dass der richtige Reifen Leben retten kann, ist bei Verstößen gegen die Regelungen mit empfindlichen Konsequenzen zu rechnen.

Ein Verstoß kann zu erheblichen Bußgeldern führen. So ist ein Bußgeld i. H. v. 75,- € und ein Punkt im Fahrerlaubnisregister zu erwarten. Erfolgen Behinderungen oder Gefährdungen im Zusammenhang mit der schlechten oder ungenügenden Bereifung, ist ein weit höheres Bußgeld zu erwarten.

Bei Verkehrsunfällen kann eine mangelhafte Bereifung dazu führen, dass es Probleme mit der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt. Diese wird zwar regelmäßig den Schaden auf gegnerischer Seite begleichen, aber kann den Versicherungsnehmer bis zu einer Höhe von 5.000,- € in Regress nehmen. Bei KASKO-Versicherungen führt der grob fahrlässig verursachte Schaden oftmals zu erheblichen Abschlägen, die im schlimmsten Falle eine vollständige Leistungsreduzierung zur Folge haben.

Das Thema „Reifen im Winter“ ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und Verstöße keine „Kavaliersdelikte“. In Sachen Verkehrsrecht verfügt unsere Kanzlei über besondere Expertisen, die auf das über 40 jährige Bestehen der Kanzlei zurückzuführen sind.

Herr Steven Selvanayagam steht Ihnen für alle Themen im Zusammenhang mit dem Verkehrsrecht gerne zur Verfügung. Rufen Sie uns an und wir kümmern uns um Ihre rechtlichen Belange.

Ihr Anwaltsteam Korzus Piewack Horstkötter und Partner!